„Wir müssen uns unbedingt mal wieder sehen!“ – „Ja, total! Ich meld mich!“ Und dann meldet sich niemand. Oder doch, und es beginnt ein Gruppenchat-Marathon über drei Wochen, sieben Terminvorschläge, zwei Absagen und eine Umfrage, an der am Ende vier von sechs teilnehmen. Ich habe irgendwann beschlossen: Schluss damit. Meine Freundschaften bekommen feste Termine. Klingt unromantisch? Ist es auch. Und genau deshalb funktioniert es.
Die unsichtbare Last im Kopf
Man muss sich erinnern, nachfragen, den Kalender checken, mit den anderen Terminen abgleichen, umplanen, wenn jemand absagt, und wieder von vorne anfangen. Einzeln ist das nichts. Zusammen mit der Kita-WhatsApp-Gruppe, dem Zahnarzttermin und der Frage, was es heute zum Abendessen gibt, wird daraus das, was man Mental Load nennt: die ganze unsichtbare Organisationsarbeit, die im Hintergrund läuft und Energie frisst, ohne dass sie irgendwer sieht.
Das Fiese daran: Gerade die Dinge, die uns eigentlich guttun, fallen als Erstes hinten runter, wenn der Kopf voll ist. Der Job meldet sich von selbst. Die Freundin, mit der man seit Monaten mal wieder essen gehen wollte, nicht.
Instrumentelle Prävention, klingt sperrig, ist aber genial
Der Stressforscher Gert Kaluza unterscheidet drei Wege, Stress vorzubeugen. Einer davon ist die instrumentelle Prävention: Stressoren gar nicht erst entstehen lassen oder sie verringern, durch Organisation, Planung und klare Strukturen. Also nicht lernen, mit dem Chaos besser klarzukommen, sondern das Chaos abschaffen.
Ein Regeltermin ist genau das. Statt jedes Mal neu zu verhandeln, wann und wo man sich trifft, steht es einfach fest. Jeden ersten Donnerstag im Monat, 19 Uhr, beim selben Italiener. Fertig. Keine Abstimmung, keine Umfrage, kein „Ich schau mal und melde mich“. Die Entscheidung ist einmal getroffen und muss nie wieder getroffen werden.
Was das mit mir macht
Das Erste, was ich gemerkt habe: Ich freue mich mehr auf die Treffen. Weil sie einfach kommen, wie ein Geschenk, das sich von selbst auspackt. Ich muss nichts dafür tun, außer hinzugehen.
Das Zweite: Wir sehen uns tatsächlich. Nicht „bald mal“, sondern regelmäßig. Und wenn jemand mal nicht kann, ist das kein Drama, denn der nächste Termin steht ja schon.
Und das Dritte, vielleicht das Wichtigste: Freundschaften sind eine der stärksten Ressourcen gegen Stress überhaupt. In der Resilienzforschung heißt das Netzwerkorientierung, also Unterstützung suchen und annehmen. Ein fester Termin sorgt dafür, dass diese Ressource nicht ausgerechnet dann wegbricht, wenn man sie am dringendsten braucht: in stressigen Phasen, in denen man sonst als Erstes absagt.
So geht's
Such dir eine Person oder eine kleine Gruppe und einen Rhythmus, der realistisch ist. Lieber einmal im Monat, das klappt, als jede Woche, das scheitert. Legt Tag, Uhrzeit und am besten auch den Ort fest, und tragt es als Serientermin in den Kalender ein. Wer mag, wechselt den Ort reihum, aber der Tag bleibt.
Das Prinzip funktioniert übrigens nicht nur mit Freunden. Der feste Sporttermin, das Telefonat mit den Eltern am Sonntag, der Abend nur für die Beziehung: Alles, was dir guttut, verdient einen festen Platz im Kalender. Sonst gewinnt immer das, was am lautesten schreit.
Fazit: Spontan ist überbewertet
Regeltermine klingen nach Spießigkeit. In Wahrheit sind sie ein kleiner Akt der Selbstfürsorge: Sie nehmen dem Kopf Arbeit ab und schützen genau das, was uns stark macht. Und wer will, kann ja beim Italiener immer noch spontan was anderes bestellen.
In den Workshops von better works geht es um genau solche kleinen Hebel im Alltag, die Stress gar nicht erst entstehen lassen.
Quellen
- Kaluza, G. (2018): Gelassen und sicher im Stress. 7. Aufl. Berlin: Springer.
- Nuber, U.: Die sieben Säulen der Resilienz. Psychologie Heute.
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