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Für Arbeitgeber

OK, Boomer? Warum mentale Erschöpfung ältere Beschäftigte besonders hart trifft

Wenn über Burnout geredet wird, denken viele an gestresste Mittdreißiger mit Kita-Kind und Startup-Job. Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte: Je älter Beschäftigte sind, desto länger fallen sie aus, wenn die Psyche streikt. Und zwar deutlich. Zeit, mit dem Klischee aufzuräumen, dass die Älteren das alles schon irgendwie wegstecken.

Was die Zahlen sagen

Laut Psychreport der DAK dauert eine Krankschreibung wegen einer psychischen Erkrankung im Schnitt knapp 33 Tage. Bei den über 60-Jährigen sind es rund 58 Tage, also fast doppelt so lange. Auch die Fehltage wegen Depressionen steigen mit jedem Lebensjahrzehnt: Bei den über 60-Jährigen kommen auf 100 Versicherte 368 Fehltage, bei den 25- bis 29-Jährigen sind es 133.

Kurz gesagt: Ältere werden nicht unbedingt häufiger krank, aber wenn, dann richtig. Und wer zwei Monate fehlt, hinterlässt eine Lücke, die sich nicht mal eben mit einem Werkstudenten füllen lässt.

Warum es Ältere oft doller trifft

Da ist zunächst die schiere Menge. Wer seit 30 oder 40 Jahren arbeitet, hat einiges ins Stressfass gefüllt: Umstrukturierungen, Chefwechsel, Krisen, private Verluste. Dazu kommen körperliche Beschwerden, die mit dem Alter zunehmen und die Belastbarkeit senken.

Viele stecken außerdem in einer echten Sandwich-Position: Die eigenen Kinder sind vielleicht aus dem Haus, aber noch nicht ganz auf eigenen Beinen, und gleichzeitig brauchen die Eltern Unterstützung oder Pflege. Feierabend? Eher Schichtwechsel.

Und dann ist da diese Generation, die gelernt hat, dass man sich nicht anstellt. Über Gefühle redet man nicht, man beißt die Zähne zusammen, und zum Psychologen geht man schon gar nicht. Das sorgt dafür, dass Warnsignale lange ignoriert werden, bis gar nichts mehr geht. Und dann dauert der Weg zurück eben auch länger.

Immer erreichbar, immer mehr

Zwei Entwicklungen machen es nicht leichter. Die erste ist die Arbeitsverdichtung: In einer Befragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) gaben 48 Prozent der Beschäftigten an, häufig unter starkem Termin- oder Leistungsdruck zu arbeiten, sechs von zehn müssen häufig mehrere Dinge gleichzeitig erledigen. Und wer alle diese Belastungen auf einmal erlebt, ist fast siebenmal so oft erschöpft wie jemand, der davon verschont bleibt: 49 gegenüber 7 Prozent.

Die zweite ist die ständige Erreichbarkeit. Laut BAuA wird etwa jede und jeder Achte häufig in der Freizeit dienstlich kontaktiert, und fast ein Viertel rechnet damit. Wer seine Karriere noch mit Faxgerät und festen Bürozeiten begonnen hat, erlebt das oft als besonders massiven Einschnitt. Das Diensthandy auf dem Nachttisch war früher eben kein Standard. Dazu kommt der Druck, bei jeder neuen Software, jedem neuen Tool und jeder neuen Abkürzung mithalten zu müssen, um bloß nicht als „der Alte, der das nicht kann“ dazustehen.

Was hilft: für dich

Grenzen bei der Erreichbarkeit ziehen. Benachrichtigungen nach Feierabend aus, Diensthandy in die Schublade, und eine klare Ansage im Team, wann du erreichbar bist und wann nicht. Die Welt geht nicht unter, wenn eine Mail bis morgen wartet. Versprochen.

Hilfe annehmen, bevor nichts mehr geht. Über müde, gereizt oder leer zu sprechen, ist keine Schwäche, sondern Wartung. Die Hausarztpraxis ist ein guter erster Schritt, der Patientenservice 116 117 hilft bei der Suche nach einem Termin für eine psychotherapeutische Sprechstunde.

Erfahrung als Ressource sehen. Wer viele Krisen erlebt hat, hat auch viele überstanden. Das ist pure Resilienz, und es lohnt sich, sich daran zu erinnern.

Was hilft: für Unternehmen

  • Klare Regeln zur Erreichbarkeit, die auch für Führungskräfte gelten
  • Realistische Arbeitsmengen statt ständig wachsender To-do-Listen
  • Wertschätzung für Erfahrung, zum Beispiel durch Mentoring-Rollen, statt Ältere still aufs Abstellgleis zu schieben
  • Flexible Arbeitszeitmodelle für Menschen mit Pflegeverantwortung
  • Und wenn jemand länger ausfällt: ein gut gemachtes Betriebliches Eingliederungsmanagement statt eines Willkommens-Stapels auf dem Schreibtisch

Fazit: Erfahrung schützt nicht vor Erschöpfung

Ältere Beschäftigte sind für viele Unternehmen das Rückgrat: Sie kennen die Prozesse, die Kunden und die Fallstricke. Gerade deshalb lohnt es sich, ihre mentale Gesundheit nicht dem Zufall zu überlassen. Und gerade deshalb sollte niemand denken: „Die haben schon ganz anderes erlebt, die schaffen das schon.“

In den Workshops von better works lernen Mitarbeitende jeden Alters, Warnsignale früh zu erkennen, Grenzen zu setzen und ihre Ressourcen zu stärken.

Übrigens, kleine Anmerkung zum Titel: Die jüngsten Boomer sind heute Anfang 60, viele Kolleginnen und Kollegen jenseits der 50 gehören eigentlich schon zur Generation X. Für das Thema macht das keinen Unterschied. Aber „OK, Gen X“ klingt halt nicht so gut.

Quellen

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